Der Handel mit der sozialistischen Gerechtigkeit. Zum Verhältnis zwischen Bürger und Gericht in der DDR

  • Gerichte handeln reaktiv; das heißt, sie werden nicht aus eigener Initiative, sondern erst durch Anruf von außen in Bewegung gesetzt, der auch in sozialistischen Staaten (vom Strafrecht einmal abgesehen) in aller Regel nicht vom Staatsanwalt, sondern von Bürgern (und zivilrechtlich handelnden volkseigenen Betrieben) kam. Um sein Rechtssystem im Justizalltag durchzusetzen, war also auch der sozialistische Staat auf die Mithilfe seiner Bürger angewiesen. Durch Nicht-Anrufen konnten Bürger das Recht unterlaufen; durch die Art und Weise, wie sie Gerichte benutzten, konnten sie seine Wirksamkeit beeinflussen; durch ihre Erfahrungen vor Gericht wurden die Bürger ihrerseits in bestimmten Haltungen und Wertvorstellungen bestätigt. In diesem Beitrag will ich die gegenseitige Abhängigkeit von Bürger und Rechtssystem im sozialistischen Rechtsalltag untersuchen. In welchen Angelegenheiten wandten sich Lüritzer Bürger an ihr Gericht? Wie wurden sie vom Gericht behandelt und wie verhielten sie sich selbst? Wie beeinflußte die Alltagspraxis der ostdeutschen Justiz die Wirksamkeit des Rechts als Instrument gesellschaftlicher Veränderungen? Und welche Nachwirkungen können wir heute beobachten?

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Metadaten
Author:Inga Markovits
DOI:http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok.1.838
Parent Title (German):Herrschaft und Eigen-Sinn in der Diktatur. Studien zur Gesellschaftsgeschichte der DDR
Publisher:Böhlau
Place of publication:Köln
Editor:Thomas Lindenberger
Document Type:Part of a Book
Language:German
Date of Publication (online):2017/05/04
Year of first Publication:1999
Publishing Institution:Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V.
Release Date:2017/05/04
First Page:315
Last Page:347
Chronologisch:1970er
1950er
1960er
1980er
Thematisch:Gesellschaftsgeschichte
Staatssozialismus
Justiz
Regional:Europa / Westeuropa / Deutschland / DDR
Monographien und Sammelbände des ZZF:Zeithistorische Studien / Herrschaft und Eigen-Sinn in der Diktatur. Studien zur Gesellschaftsgeschichte der DDR (Band 12)
Licence (German):License LogoZZF - Clio Lizenz

$Rev: 11761 $