@incollection{Kirsch2017, author = {Kirsch, Jan-Holger}, title = {"Befreiung" und/oder "Niederlage"? Zur Konfliktgeschichte des deutschen Gedenkens an Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg}, booktitle = {1945 - Der Krieg und seine Folgen. Kriegsende und Erinnerungspolitik in Deutschland}, editor = {Asmuss, Burkhard and Kufeke, Kay and Springer, Philipp}, publisher = {Kettler}, address = {B{\"o}nen}, doi = {10.14765/zzf.dok.1.1084}, publisher = {Leibniz-Zentrum f{\"u}r Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) - Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam (ZZF)}, pages = {60 -- 71}, year = {2017}, abstract = {Wie Ernst Jandls Gedicht »markierung einer wende« grafisch und sprachlich zum Ausdruck bringt, war das europ{\"a}ische Ende des Zweiten Weltkrieges ein fundamentaler Einschnitt. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht - am 7. Mai in Reims, am 8./9. Mai in Berlin-Karlshorst - fand ein Krieg seinen symbolischen Schlussakt, der von ungeheurer Gewalt und Zerst{\"o}rung gepr{\"a}gt gewesen war. Weit {\"u}ber 50 Millionen Menschen waren im Verlauf des deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieges umgekommen, darunter etwa 30 Millionen Zivilisten. Die zeitgen{\"o}ssischen Erfahrungen vom Mai 1945 waren sehr unterschiedlich; sie hingen wesentlich davon ab, welche Position die einzelnen Akteure bis zum Kriegsende innegehabt hatten. Die k{\"o}rperlichen, seelischen und politischen Reaktionen auf die neue Lage umfassten ein breites Spektrum: Entkr{\"a}ftung und Tod noch nach dem Ende der Kampfhandlungen, Angst vor Rache und Bestrafung, Erleichterung {\"u}ber den Sturz des NS-Regimes, Apathie und Orientierungslosigkeit, Bem{\"u}hungen um eine neue Identit{\"a}t, Hoffnung auf einen Neubeginn, Interesse an Schuld- und Gewissensfragen, Furcht vor Internierung oder Vertreibung und vieles mehr. Eine nicht genau ermittelbare Zahl vormaliger NS-Funktionstr{\"a}ger entzog sich einer m{\"o}glichen Verurteilung durch Selbstmord, und generell war es f{\"u}r alliierte Beobachter {\"u}berraschend, dass pl{\"o}tzlich so gut wie keine bekennenden Nazis mehr auffindbar waren. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg fanden offen revanchistische Bestrebungen in Deutschland keinen N{\"a}hrboden, da die milit{\"a}rische und zugleich die geistig-moralische Niederlage nun noch grundlegender war. Die {\"u}berlebenden Verfolgten des NS-Regimes konnten sich dar{\"u}ber allerdings nur eingeschr{\"a}nkt freuen; wer mit dem Leben davongekommen war, hatte meist irreversible psychische oder physische Sch{\"a}den erlitten.}, language = {de} }