@article{Greshake2018, author = {Greshake, Anna}, title = {Praktiken der Zugeh{\"o}rigkeit im Fl{\"u}chtlingscamp. Die urdusprachige Minderheit in Bangladesch - der lange Schatten der indischen Teilung}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {15}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok.4.1293}, pages = {474 -- 497}, year = {2018}, abstract = {Das Ende der britischen Kolonialherrschaft in Indien 1947 zerteilte das Land nicht nur, sondern verursachte auch (jahrzehntelange) Migrationsbewegungen. In den Ostteil des neu gegr{\"u}ndeten Pakistans migrierten urdusprachige Muslime, die der banglasprachigen Mehrheitsgesellschaft trotz gemeinsamer Religionszugeh{\"o}rigkeit {\"u}berwiegend fremd gegen{\"u}berstanden. Als die Spannungen zwischen den ungleichen pakistanischen Landesteilen im Kampf um die Unabh{\"a}ngigkeit Ostpakistans eskalierten und daraus 1971 der neue Staat Bangladesch entstand, galten die Urdusprachigen als »Volksverr{\"a}ter« und verloren ihre Staatsb{\"u}rgerschaft. Zum Teil bis heute leben sie mit ihren Nachkommen in mehr als 100 Fl{\"u}chtlingscamps innerhalb des Landes. Der seit {\"u}ber 40 Jahren andauernde Wartezustand dieser Gruppe f{\"u}hrt zu unterschiedlichen Strategien und Konflikten. Geschlecht, Bildung und besonders das Alter entscheiden {\"u}ber das Selbstverst{\"a}ndnis der Campbewohner: W{\"a}hrend sich die {\"a}ltere Generation weiterhin f{\"u}r eine Repatriierung nach Pakistan einsetzt, fordern die J{\"u}ngeren verst{\"a}rkt die bangladeschische Staatsb{\"u}rgerschaft, die 2008 vom Obersten Gerichtshof des Landes formal anerkannt wurde. Dazwischen steht eine große Zahl Unentschlossener, die sich mit den Camps arrangiert hat. Der Aufsatz zeigt, dass weder Staatsangeh{\"o}rigkeit noch Staatenlosigkeit festgef{\"u}gte Identit{\"a}ten sind; Fl{\"u}chtlingscamps sind zugleich Orte des Transits, der Vergemeinschaftung und der Stigmatisierung. Der praxeologische Ansatz des Diasporakonzepts bietet Zugang zu der perpetuierten migrantischen Situation der Urdusprachigen.}, language = {de} }