@article{Apel2009, author = {Apel, Linde}, title = {„You are participating in history". Das Visual History Archive der Shoah Foundation}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {5}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-1850}, pages = {438 -- 445}, year = {2009}, abstract = {Vor einer Trivialisierung des Holocaust warnend, bezeichnete Claude Lanzmann vor acht Jahren den Regisseur Steven Spielberg als „eine Art big brother der Erinnerung". Damit geh{\"o}rte Lanzmann zu einem Kreis von Historikern, Publizisten und Gedenkst{\"a}ttenmitarbeitern, die massive Kritik an Spielbergs ambitioniertem Vorhaben {\"a}ußerten, weltweit m{\"o}glichst viele {\"U}berlebende des Holocaust zu befragen. Die Gegenstimmen waren vielf{\"a}ltig und bezogen sich unter anderem auf die in den 1990er-Jahren noch gew{\"o}hnungsbed{\"u}rftige Tatsache, dass Spielberg die digitalisierten Videointerviews in einem computergest{\"u}tzten, internetf{\"a}higen Riesenarchiv des Holocaust speichern wollte. Zudem bestand die Sorge, Spielbergs Medienpr{\"a}senz und erfolgreiche Sponsorenwerbung werde dazu f{\"u}hren, dass anderen, seit Jahrzehnten arbeitenden Oral-History-Projekten keinerlei F{\"o}rderung mehr zukomme. Beanstandet wurde auch, dass nicht professionell ausgebildete Personen als Interviewer eingesetzt wurden. Wegen der hohen Zahl archivierter Aussagen von {\"U}berlebenden werde sich der inhaltliche Fokus von den Get{\"o}teten hin zu jenen verschieben, die der Ermordung entgangen waren. So werde die Geschichte des Holocaust als Geschichte eines Triumphs erz{\"a}hlt, die sie historisch nicht sei. Die Interviews seien darauf angelegt, genau jene Gef{\"u}hle hervorzurufen, die Raul Hilberg f{\"u}r unlauter hielt: „There is nothing to be taken from the Holocaust that imbues anyone with hope or any thought of redemption." Tats{\"a}chlich kann die Interviewsammlung Spielbergs vielzitierten und wegen seiner Assoziation zu verbrannten Leichen etwas obsz{\"o}n wirkenden Anspruch, „jedes K{\"o}rnchen Asche" aufzusammeln, nicht einl{\"o}sen. Denn diejenigen, die sprechen k{\"o}nnen, haben, wie Primo Levi es nannte, „den tiefsten Punkt des Abgrunds" nicht ber{\"u}hrt. Deutlich wird jedoch Spielbergs nachdr{\"u}cklicher, fast obsessiv wirkender Versuch, vergehende Erinnerungen an den Holocaust vor dem Vergessen bannen zu wollen.}, language = {de} }