@article{Lindner2005, author = {Lindner, Bernd}, title = {Das zerrissene Jahrhundert. Zur Werk- und Wirkungsgeschichte von Wolfgang Mattheuers Plastik „Jahrhundertschritt"}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {2}, number = {2}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-1999}, pages = {300 -- 308}, year = {2005}, abstract = {„Da hat er uns wieder mal einen ordentlichen Sprengsatz untergeschoben!", ließ ein leitender Kulturfunktion{\"a}r der SED-Bezirksleitung mit gepresster Stimme vernehmen, als er w{\"a}hrend seines Rundgangs durch die 11. Kunstausstellung des Bezirkes Leipzig Anfang Mai 1985 auf die Plastik „Jahrhundertschritt" von Wolfgang Mattheuer stieß. Und so oft sich Funktion{\"a}re in der Geschichte der DDR in Sachen Kunst irrten - hier sollten sie einmal Recht behalten, und zwar im doppelten Sinn des Wortes: Wie aufgesprengt wirkt nicht nur der schrundige, eingerissene Brustkorb von Mattheuers ‚kopfloser' Figur; Sprengkraft enthielt vor allem die k{\"u}nstlerische Botschaft des Werkes, in dem der K{\"u}nstler das 20. Jahrhundert Gestalt werden ließ. Die vier Gliedmaßen der Figur streben so heftig auseinander, dass sie diese schier zu zerreißen drohen: Den rechten Arm zum faschistischen Gruß ausgestreckt, die linke Hand zur proletarischen Faust geballt, hinkt das von einer Blutspur gezeichnete linke Stiefelbein dem ungest{\"u}m ausschreitenden, makellos weißen rechten Bein unheilschwer hinterher. „Symbolhaft" hat Mattheuer in dieser Plastik „die Unsicherheit und Zerrissenheit unserer Zeit eingefangen". Und da der nahezu gesichtslose Kopf der Figur fast vollst{\"a}ndig in ihrem aufgerissenen Rumpf zu versinken droht, fehlt diesem Jahrhundert zugleich die (geistige) Mitte, die es zusammenh{\"a}lt. „Verlorene Mitte" und „Verlust der Mitte" heißen denn auch zwei Grafiken, mit denen Mattheuer 1980 das Ringen um diese Figur aufnahm.}, language = {de} }