@article{Pr{\"u}mm2005, author = {Pr{\"u}mm, Karl}, title = {Die Historiographie der „neuen Kriege" muss Mediengeschichte sein}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {2}, number = {1}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2024}, pages = {100 -- 104}, year = {2005}, abstract = {Das Beschreibungs- und Erkl{\"a}rungsmodell der „neuen Kriege", wie es vor allem der Politologe Herfried M{\"u}nkler entwickelt und publizistisch {\"a}ußerst wirkungsvoll vertreten hat, kommt ohne die Ber{\"u}cksichtigung der medialen Faktoren nicht mehr aus. An wesentlichen Stellen seiner scharfsinnigen historischen Ph{\"a}nomenologie des Krieges, die gerade durch die Konfrontation der Aktualit{\"a}t mit den Erscheinungsformen der vormodernen Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts ihre besondere Pr{\"a}gnanz gewinnt, wird immer wieder auf die gewandelte Rolle des Fernsehens verwiesen. In den kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten beiden Jahrzehnte werde der Kampf mit Waffen „zunehmend durch den Kampf mit Bildern konterkariert". TV-Kamerateams seien f{\"u}r die Kriegsparteien inzwischen ein beliebig handhabbares Instrument der Aufmerksamkeitssteuerung, ja die durch Fernsehbilder erst hergestellte „Welt{\"o}ffentlichkeit" sei zur „Ressource" des Krieges geworden. M{\"u}nklers Argumentation kulminiert dann in der These, die „Verwandlung der Berichterstattung {\"u}ber den Krieg in ein Mittel seiner F{\"u}hrung" bedeute den „wahrscheinlich gr{\"o}ßte[n] Schritt bei der Asymmetrisierung des Krieges". Ein Hauptbefund der Studie, die Abl{\"o}sung der staatlich monopolisierten Kriege durch radikal asymmetrische Formen der Auseinandersetzung, wird also am Medium Fernsehen festgemacht - alles deutet darauf hin, dass M{\"u}nklers Konzept der „neuen Kriege" eine umfassende Theorie ihrer medialen Repr{\"a}sentation quasi mitformuliert. Doch dieser Eindruck t{\"a}uscht. Die medialen Spiegelungen der kriegerischen Ereignisse und vor allem der audiovisuelle Diskurs des Fernsehens werden nur am Rande beachtet; M{\"u}nkler bel{\"a}sst es bei Anmerkungen und Anf{\"u}gungen. Nur eingestreut wird der Hinweis, man d{\"u}rfe den „wachsenden Einfluss der Medien auf die politischen Entscheidungsabl{\"a}ufe" nicht untersch{\"a}tzen. Dabei bietet M{\"u}nklers Konzept der „neuen Kriege" eigentlich alle Voraussetzungen, um eine solche Beil{\"a}ufigkeit zu {\"u}berschreiten, denn optisch-visuelle Begriffe fungieren als Grundkategorien: „Erscheinungsformen" und „Erscheinungsweisen" der „neuen" Realit{\"a}tsformationen sollen aufgezeigt werden. Alles kreist um die Problematik der Sichtbarkeit; eine un{\"u}bersichtliche „Gemengelage" wird als das hervorstechendste Charakteristikum der aktuellen Kriege kenntlich gemacht.}, language = {de} }