@article{BrinkG{\"o}lz2022, author = {Brink, Cornelia and G{\"o}lz, Olmo}, title = {Geschlechter ordnen? M{\"a}nnlichkeit als paradoxes Versprechen}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {18}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2385}, pages = {437 -- 452}, year = {2022}, abstract = {Das {\"a}gyptische K{\"o}rperkultur-Magazin »al-Abṭāl« (»Die Champions« oder »Die Helden«; beide {\"U}bersetzungen sind m{\"o}glich) berichtete im Februar 1933 {\"u}ber eine {\"o}ffentliche athletische Leistungsschau in Kairo. Angesichts der beeindruckenden Performance {\"a}gyptischer M{\"a}nner und ihrer trainierten K{\"o}rper feierte es eine »sportliche arabische Renaissance« (an-nahḍa ar-riyāḍiyya). Diese Leistungsschau zu Ehren des Besuchs Viktor Emanuels III., des K{\"o}nigs von Italien, war nur denkbar in einem politischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem der m{\"a}nnliche K{\"o}rper zur Projektionsfl{\"a}che {\"a}gyptischer Selbstbehauptung gegen{\"u}ber dem britischen Kolonialismus auserkoren wurde. Der Historiker Wilson Chacko Jacob hat in seinem Buch »Working Out Egypt« dargelegt, wie sich die Bem{\"u}hungen einer aufstrebenden Mittelschicht, ein »unverwechselbares modernes und {\"a}gyptisches Selbst vom kolonialen Blick (colonial gaze) zu befreien«, in Diskursen {\"u}ber Geschlecht und Sexualit{\"a}t {\"a}ußerten, bei welchen einer performativen, auf den athletischen K{\"o}rper bezogenen M{\"a}nnlichkeit ein zentraler Stellenwert zukam. Eine solche Fokussierung auf den virilen m{\"a}nnlichen K{\"o}rper hatte bereits zur Jahrhundertwende eine globale Dimension erreicht. Dies war eng mit den kolonialen Hierarchien und dem Prozess der Nationsbildung verkn{\"u}pft, wie Sebastian Conrad feststellt. Beide Aspekte sind auch f{\"u}r den {\"a}gyptischen Fall in der Zwischenkriegszeit von Bedeutung, wo vergleichbare Prozesse nicht zuletzt als Reaktion auf den Orientalismus zu sehen sind, hier verstanden als eine diskursive Strategie zur Beherrschung des Orients, der das koloniale Ausgreifen Europas auf die islamische Welt und damit die Region immer auch geschlechtlich codierte. Edward Said hatte dies bereits in seiner heute klassischen Studie »Orientalism« von 1978 konstatiert. Zwar ist die Polemik Saids seit ihrem Erscheinen vielfach kritisiert worden; seiner grunds{\"a}tzlichen Beobachtung aber, der Orientalismus konstruiere einen feminisierten und als passiv verstandenen Orient, dem das maskuline kolonisierende Subjekt gegen{\"u}berstehe, wird weitgehend zugestimmt.}, language = {de} }