@article{Mackert2022, author = {Mackert, Nina}, title = {Critical Ability History. F{\"u}r eine Zeitgeschichte der F{\"a}higkeitsnormen}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {19}, number = {2}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2434}, pages = {341 -- 354}, year = {2022}, abstract = {»I Have Diabetes. Am I to Blame?«, fragte Rivers Solomon im Oktober 2016 in der »New York Times«. Der Artikel war von der Redaktion mit »Disability« getaggt worden, und in ihm verschr{\"a}nkten sich die Beschreibungen von erlebten und zugewiesenen k{\"o}rperlichen und mentalen Defiziten. Solomon war 26 Jahre alt, Afroamerikanerin, dick. Sie kritisierte, dass ihre Krankheit anderen deshalb als selbstverschuldet gelte, als Resultat von mangelndem Wissen und Willen. Ein knappes Jahrhundert zuvor w{\"a}re Solomons Erkrankung anders verstanden worden, folgt man Arleen Marcia Tuchmans 2020 ver{\"o}ffentlichter Geschichte von Diabetes in den USA. Tuchman zeigt, dass die Krankheit zwar schon am Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer Folge von {\"u}berm{\"a}ßigem Essen und mangelnder Bewegung erkl{\"a}rt, gleichzeitig aber mit spezifischen Bef{\"a}higungen in Verbindung gebracht wurde. Diabetes galt als typische Krankheit der Erfolgreichen und Modernen. 1936 beschrieb ein Artikel im Magazin »Collier's« Diabetiker*innen als »bessere B{\"u}rger«, die besonders selbstst{\"a}ndig und intelligent sein mussten, um ihre Krankheit managen und mit ihr {\"u}berleben zu k{\"o}nnen. Galten Afroamerikaner*innen noch zu diesem Zeitpunkt als kaum anf{\"a}llig f{\"u}r Diabetes (weil sie nicht f{\"u}r »zivilisiert« genug gehalten wurden), wurden sie in der zweiten H{\"a}lfte des Jahrhunderts zu typischen Diabetes-Patienten. Die Krankheit wandelte sich zum Zeichen von Verantwortungslosigkeit und ungesundem Lebensstil. Das Beispiel zeigt, wie historische Ph{\"a}nomene von unterschiedlichen F{\"a}higkeitsnormen durchzogen sind. Im Vordergrund meiner Skizze steht dabei nicht der behinderte oder von Behinderung »bedrohte« K{\"o}rper. Vielmehr interessiere ich mich f{\"u}r die Geschichte der Normen und Pr{\"a}missen »f{\"a}higer« K{\"o}rper und Subjekte, die bestimmten Menschen bzw. Menschengruppen zu- oder abgesprochen werden. Die ganz knappe Historisierung von Diabetes steht exemplarisch f{\"u}r den Blickwechsel, der sich mit einer Critical Ability History vornehmen l{\"a}sst.}, language = {de} }