@misc{Peiter2024, author = {Peiter, Anne D.}, title = {Die Ethnogenese und der Tutsizid in Ruanda. {\"U}berlegungen zum kolonialen Erbe mit Blick auf die deutsche Kolonialfotografie}, publisher = {ZZF - Leibniz-Zentrum f{\"u}r Zeithistorische Forschung: Visual History}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2797}, year = {2024}, abstract = {Wie die historische Forschung zur deutschen und belgischen Kolonialgeschichte nachgewiesen hat, wurde die „Ethnifizierung" (oder „Ethnogenese"), die im Zuge der Kolonialisierung zur polarisierenden Trennung von „Hutu", „Tutsi" und „Twa" f{\"u}hrte, schrittweise in die ruandischen Mentalit{\"a}ten eingespeist, wo sie zur Grundlage der Identifizierung der prospektiven Opfer gemacht wurde. Da Genozide nicht m{\"o}glich sind, wenn nicht zuvor die Frage nach der Identifizierung der zu Vernichtenden „gekl{\"a}rt" ist hat die europ{\"a}ische Kolonialgeschichte als Vorgeschichte des Tutsizids zu gelten. Koloniale Akteure aus Deutschland spielten bei diesem Prozess eine Rolle. In der deutschen Kolonialfotografie l{\"a}sst sich beobachten, dass das koloniale Bestreben, „Ordnung" in die Begegnung mit der ruandischen Kultur und Gesellschaft zu bringen, ab Ende des 19. Jahrhunderts Eingang in die koloniale Fotografie fand. Manche Bilder sind versehen mit Legenden, in denen sich die Ethnifizierung erkennen l{\"a}sst. Die Anthropologen gingen davon aus, dass sich wissenschaftliche Beweise f{\"u}r die Existenz von drei klar voneinander abgegrenzten „Ethnien" erbringen ließen. In Wirklichkeit herrschten Spekulationen und grundlegende Missverst{\"a}ndnisse bez{\"u}glich der demografischen Struktur des fremden Landes vor. Zweifellosigkeiten wurden behauptet, und das in einem Land, mit dem zuvor nicht die geringsten Kontakte bestanden hatten. Es kam zu einer Vielzahl von Missverst{\"a}ndnissen und Fehlinterpretationen, die dem kolonialen {\"U}berlegenheitsgef{\"u}hl der deutschen Fotografen geschuldet waren.}, language = {de} }