@article{Weinke2005, author = {Weinke, Annette}, title = {{\"U}berreste eines „unerw{\"u}nschten Prozesses". Die Edition der Tonbandmitschnitte zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965)}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {2}, number = {2}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-1997}, pages = {314 -- 320}, year = {2005}, abstract = {Eine empirisch fundierte Gesamtbewertung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses im Kontext des deutschen und europ{\"a}ischen Umgangs mit dem Holocaust steht noch aus. Zweierlei l{\"a}sst sich jedoch mit einiger Bestimmtheit sagen: Weder handelte es sich bei diesem Strafverfahren um den Wende- oder H{\"o}hepunkt einer gel{\"a}uterten westdeutschen Erinnerungskultur, noch war es in irgendeiner Weise repr{\"a}sentativ f{\"u}r die NS-Prozesse und Ermittlungen, welche seit Ende der 1950er-Jahre mit vermehrter Intensit{\"a}t betrieben wurden. Exzeptionell war dieses Gerichtsverfahren schon insofern, als es ein einzigartiges Großprojekt in angewandter Oral History darstellte, das weit {\"u}ber die Grenzen der Bundesrepublik hinausstrahlte. Eine vergleichbar hohe Zahl von Opferzeugen (insgesamt 211) aus verschiedenen L{\"a}ndern und politischen Systemen d{\"u}rfte es wohl in keinem anderen NS-Verfahren gegeben haben, und allein dieser Sachverhalt garantierte dem Prozess eine weltweite Medien{\"o}ffentlichkeit. Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der entscheidend am Zustandekommen des Prozesses beteiligt war, verband mit den Ermittlungen gegen die T{\"a}ter von Auschwitz im Wesentlichen zwei Ziele: Zum Ersten ging es ihm darum, die Deutschen zu einer kritischeren Besch{\"a}ftigung mit ihrer eigenen Geschichte anzuhalten. Zum Zweiten wollte er den {\"U}berlebenden Gelegenheit geben, ihre Erlebnisse nach Jahrzehnten des Schweigens {\"o}ffentlich zu erz{\"a}hlen. Das eine war unmittelbar mit dem anderen verbunden, waren in Politik, Rechtsprechung, Wissenschaft und Medien doch bis dahin Vergangenheitsdiskurse vorherrschend gewesen, die vor allem aus der Perspektive der T{\"a}ter argumentierten und deren Sichtweisen teils bewusst, teils unbewusst reproduzierten.}, language = {de} }