@misc{Hoppe2024, author = {Hoppe, Bert}, title = {Kiew im Februar 2022. Ein Forschungsaufenthalt in einer bedrohten Stadt}, publisher = {ZZF - Leibniz-Zentrum f{\"u}r Zeithistorische Forschung: zdbooks}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2759}, pages = {61 -- 65}, year = {2024}, abstract = {Am 15. Februar, etwas mehr als eine Woche vor Beginn der russischen Invasion in die Ukraine, war ich zum letzten Mal im Archiv des ukrainischen Geheimdienstes SBU. Als ich mich von der Lesesaalaufsicht verabschiedete und ihr sagte, ich hoffe, bald zur{\"u}ckkehren zu k{\"o}nnen, blickte ein {\"a}lterer Nutzer auf. Wo ich denn herkomme. „Aus Berlin", antwortete ich. "Ach so", sagte er und schaute wieder in seine Akten, "aus Deutschland. Na, großartig. Ihr Deutschen schickt uns 5000 Helme, und die Russen lassen demn{\"a}chst Raketen auf uns niederregnen." Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich f{\"u}r mein Land gesch{\"a}mt und f{\"u}r meine Regierung, die der Ukraine die angeforderte Unterst{\"u}tzung mit Hinweis auf unsere Geschichte versagte - auf eben jene Geschichte, die ich gerade in Kiew erforschte. Ich war vier Wochen lang in der ukrainischen Hauptstadt, bis ich meinen Aufenthalt vorzeitig abbrechen musste. Vom ersten Tag an sp{\"u}rte ich den eigent{\"u}mlichen Schwebezustand, in dem sich das ganze Land befand. Der Alltag in der großen Metropole lief weiter, ungeachtet der immer bedrohlicheren Nachrichten. Im pers{\"o}nlichen Gespr{\"a}ch hingegen bot sich ein anderes Bild. Zwar blieb der offen ausgesprochene Pessimismus des Nutzers im SBU-Archiv die Ausnahme, Illusionen machte sich aber niemand.}, language = {de} }