@article{DriesWalker2024, author = {Dries, Christian and Walker, Sara}, title = {Endzeitstimmungsbild. G{\"u}nther Anders' Thesen (nicht nur) zur nuklearen Apokalypse}, journal = {Zeithistorische Forschungen - Studies in Contemporary History}, volume = {20}, number = {3}, publisher = {ZZF - Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen}, address = {Potsdam}, doi = {10.14765/zzf.dok-2818}, pages = {488 -- 496}, year = {2024}, abstract = {Als G{\"u}nther Anders' gesammelte »Gedanken {\"u}ber die atomare Situation« - zehn Aufs{\"a}tze, Manifeste, Vortr{\"a}ge und eine Fabel - 1972 erstmals erschienen, kamen sie zu sp{\"a}t. Im politischen Klima nach 1968 konnte ihr Autor noch so sehr auf anhaltende Aktualit{\"a}t pochen, l{\"a}ngst war die von Anders mitgepr{\"a}gte Anti-Atom-Bewegung der 1950er- und 1960er-Jahre »eingegangen« (S. XII), und andere Themen wie der Vietnamkrieg hatten sich vor die immer noch »drohende Atomgefahr« (S. XI) geschoben. Hinzu kam die wachsende »Angst vor der vielf{\"a}ltigen und gleichfalls apokalyptische Ausmaße annehmenden Umweltverseuchung« (S. XII). Mit einer invertierten Feuerbachthese hatte Anders außerdem die Zustimmung der akademischen Jugend riskiert: Was heute »f{\"a}llig« sei, forderte er im annus mirabilis der Studierendenbewegung, »mindestens ebenso f{\"a}llig wie die Ver{\"a}nderung der Welt, ist die wirkliche Interpretation jener Ver{\"a}nderungen, die malgr{\´e} nous, auch im Lager unserer Gegner, vor sich gegangen sind und vor sich gehen«. Gemeint war das revolution{\"a}re Potential moderner Technik, die Anders im ersten Band seines Hauptwerks »Die Antiquiertheit des Menschen« (1956) als planetare {\"U}bermacht portr{\"a}tiert hatte, als neues »Subjekt der Geschichte«. In »Endzeit und Zeitenende« spricht er der Technik echte Handlungsmacht zu (wir w{\"u}rden heute »Agency« sagen), nennt die uns umgebenden Artefakte gar »Pseudo-Personen« mit handlungsleitenden »stummen Prinzipien und Maximen« (S. 103), deren gleichsam politisches Endziel eine Welt sei, in der Menschen {\"u}berfl{\"u}ssig werden (vgl. S. 199). Die Hermeneutik ihres »Totalitarismus« (S. 17) war Andersʼ Antwort auf den technikblinden Fleck linker Theoriebildung. Dass er im Gegensatz zu seinem Freund Herbert Marcuse damit in die Rolle eines Epimetheus der 68er-Bewegung geriet, d{\"u}rfte ebenso wie der sperrige Titel und der pessimistische Grundton seiner Textsammlung dazu beigetragen haben, den publizistischen Erfolg des Bandes im ersten Anlauf auszubremsen. Das {\"a}nderte sich erst, als das Buch zwei Jahre nach dem NATO-Doppelbeschluss in einer um ein Vorwort erweiterten, ansonsten aber identischen Ausgabe unter dem griffigeren Titel »Die atomare Drohung« erschien und bis 1986 vier weitere Auflagen erlebte (die aktuelle 8. stammt von 2023).}, subject = {Anders, G{\"u}nther}, language = {de} }