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Der Artikel stellt den noch jungen Ansatz der „mehr als menschlichen Geschichte“ vor, der den Menschen aus dem Zentrum der Geschichtsschreibung rückt und die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen, Technologien und anderen nichtmenschlichen Akteuren untersucht. Angesichts von Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung eröffnet der Ansatz neue Perspektiven auf die Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt.
Demokratie
(2026)
Der Artikel zeichnet die Entwicklung des Demokratiebegriffs von der Antike bis zur Gegenwart nach, stellt unterschiedliche Formen und Vorstellungen von Demokratie vor und zeigt, wie sich demokratische Teilhabe, politische Gleichheit und gesellschaftliche Ausschlüsse im Laufe der Geschichte verändert haben.
Was unter einer Familie verstanden wird, hat sich über die Zeit hinweg gewandelt. Der Artikel stellt unterschiedliche Familienmodelle vor, vom „Haus“ über die „christlich-bürgerliche Kernfamilie“ bis hin zur „Regenbogenfamilie“ der Gegenwart, und bietet dabei einen Überblick über die historische und soziologische Familienforschung.
Wie prägt alltägliches Fotografieren unsere Wahrnehmung und Erinnerung? Die beiden Autor:innen der Projekvorstellung Nadine Kulbe und Torsten Näser betonen die Bedeutung privater Fotos als historische Quellen. In der Ausstellung „Alle fotografieren?“ wird Fotografie als aktive kulturelle Praxis verstanden, nicht nur als Abbild der Realität.
Über Jahre hat die promovierte Kunsthistorikerin Nicola Brandt die Landschaften Namibias bereist, fotografiert und recherchiert. Das Buch, das in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und lokalen Communities entstand, fordert den immer noch weitverbreiteten hegemonialen und eurozentrischen Blick auf Namibia (und letztlich auf „Afrika“) heraus.
Biography is a literary and academic genre that only becomes a conceptual approach to historical science through the process of theoretical and methodological reflection. Current research defines biographies as the “presentation and interpretation of an individual life within history,” as “an individual life story that encompasses both the external course of life and intellectual and psychological development,” or as “a textual representation of a life” in which “a real person” is always at the centre. Biographies are thus what we might call narratives of reality.
In their project, Picture Me, the authors engage with a burgeoning interest in queer Finnish history and with scholarship from the German tradition of visual history to consolidate a new research field called queer visual history. Each researcher in the project is working with a particular archival record, or records, associated with Finnish historical figures that are alleged to have lived queer lives. The shared concern is, to test what visual methods can do to enhance our historical analyses and, and to embrace the richness of the photographic archive for the ways in which it has been able to capture not just individuals’ stories, but the spaces in which they lived, the people who accompanied them, and even the perspectives with which they viewed their own lives.
Welche Auswirkungen hat es, Geschichte in »Zeitschichten« wahrzunehmen, zu lokalisieren und darzustellen? Die Zeitschichten-Metapher Reinhart Kosellecks hat nicht nur im Feld der Geschichtstheorie vielfältige Inspirationen für die Bestimmung des Verhältnisses von Zeit, Raum und Geschichte geliefert. Auch in der Erinnerungskultur seit den 2000er Jahren ist sie immer wieder praktisch aufgegriffen worden: Archäologische Fenster in Innenstädten und Gedenkstätten lassen den Blick in die Vergangenheit zu, Archäologie verwandelt die jüngste Zeitgeschichte in einen Ausgrabungsort und verortet Erinnerungen und Ereignisse in tieferliegenden, verschütteten Schichten. Die Denkmalpflege präpariert Zeitschichten heraus, um Bau- und Nutzungsphasen sichtbar zu machen. Museen ebenso wie Städte, Landschaften und Erinnerungsorte werden als pluritemporale Gefüge begriffen, in denen anhand verschiedener Zeitschichten unterschiedliche Epochen und politische Regime abgelesen werden. Aus dem Inhalt: Ulrike Jureit: Erfahrungsschichten? Überlegungen zu einem metaphorischen Missverständnis. Christoph Bernhardt: Sedimente der Stadt. Eine transdisziplinäre Erkundung. Jutta Helbig: Naturgeschichte ohne Dramaturgie: Museum für Naturkunde Berlin.
Zu diesem Heft
(2025)
»Wir wollen leben / nicht verrecken«, lautete eine Parole bei der Großdemonstration vom 23. Januar 1948 in München, die auf dem Cover dieser Ausgabe zu sehen ist. Die außergewöhnliche Dürre des Sommers 1947 führte im anschließenden Winter zu einer Ernährungskrise mit erheblichen sozialen und politischen Folgen, denen Victor Jaeschke in seinem Aufsatz am Beispiel der Bizone nachgeht. Die US-amerikanische und die britische Militärregierung im besetzten Deutschland hatten die Situation zunächst unterschätzt. Der Mangel an Saatgut, Futtermitteln und Dünger, an Wasser für Landwirtschaft, Kraftwerke und Feuerwehren sowie die schlechten Ernten des Jahres 1947 (nicht nur in Deutschland) ließen eine Hungerkatastrophe befürchten, schufen Verteilungskonflikte und gefährdeten die Legitimation der Besatzungsmächte. Durch massive US-amerikanische Lebensmittelimporte vor allem ab Dezember 1947 konnte die Not etwas gelindert werden, aber zum Zeitpunkt der abgebildeten Demonstration war die Lage weiterhin bedrohlich. Jaeschkes Aufsatz trägt nicht nur Neues zur Geschichte der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland bei. Er lenkt den Blick auch darauf, dass die Erfahrungen von »Hungerwinter« und »Dürresommer« in der frühen Nachkriegszeit bereits wissenschaftliche Diskussionen über eine mögliche »Klimawende« in Europa auslösten. Wegen der offenkundigen Aktualität dieses Themas plädiert er dafür, Dürren und den politischen Umgang mit ihnen zeithistorisch breiter zu erforschen.
In this issue
(2025)
›We want to live / not to die like dogs‹ was one of the slogans chanted at a large demonstration in Munich on 23 January 1948, which is depicted on the cover of this issue. The exceptional drought of the summer of 1947 led to a food crisis in the following winter with considerable social and political consequences, which Victor Jaeschke examines in his article using the example of the Bizone. The American and British military governments in occupied Germany initially underestimated the situation. The shortage of seeds, animal feed and fertiliser, water for agriculture, power stations and fire brigades, as well as the poor harvests of 1947 (not only in Germany) gave rise to fears of a famine, created distribution conflicts and jeopardised the legitimacy of the occupying powers. Massive US food imports, especially from December 1947 onwards, alleviated the hardship somewhat, but at the time of the demonstration depicted on the cover, the situation remained dire. Jaeschke’s article not only contributes new insights into the history of Allied occupation policy in Germany; it also draws attention to the fact that the experiences of the ›hunger winter‹ and ›drought summer‹ in the early post-war period already triggered scientific discussions about possible ›climate change‹ in Europe. Because of the obvious topicality of this issue, Jaeschke argues for broader research into droughts and how they were dealt with politically in contemporary history.
