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- Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1)
- Deleuze Gilles: L' Anti-Oedipe (1)
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- Dörner, Klaus/Plog, Ursula: Irren ist menschlich (1)
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»Irren ist menschlich«: Unter diesem Titel erschien 1978 erstmals ein »Lehrbuch der Psychiatrie/Psychotherapie«, das allen gewidmet war, »die sich in der Ausbildung befinden«, »die in der Psychiatrie arbeiten« und »die sich betroffen fühlen«. Adressiert wurde somit ein deutlich über das Fachpublikum hinausreichender Leser:innenkreis, den die Autor:innen Klaus Dörner und Ursula Plog in der einführenden »Gebrauchsanweisung« (S. 9-16) weiter ausbuchstabierten: Das Buch solle nicht nur durch ein anstehendes Examen helfen und dem »psychiatrisch tätigen Leser« ein »nachdenklicheres«, »freudvolleres« Arbeiten ermöglichen, sondern »auch für Laien, Angehörige und Patienten« lesbar sein (S. 9). Grundsätzlich solle es »den Leser privat befähigen, mit sich und seinem Leben besser umzugehen« (ebd.). Durch diesen Anspruch überschreitet das Lehrbuch die Grenze zwischen psychiatrischem Fachbuch und allgemeiner Ratgeberliteratur. Es reiht sich so nicht nur in Publikationen ein, die die Neuorganisation des bundesdeutschen psychiatrischen Versorgungssystems diskutierten, sondern auch in den allgemeinen »Psychoboom« der 1970er-Jahre.
»Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie« von Gilles Deleuze und Félix Guattari fällt in einer Klassifikation, die der französische Literaturwissenschaftler Pierre Bayard aufgestellt hat, unter die »Bücher, die man vom Hörensagen kennt«: Es »ist nicht nötig«, sie »in der Hand gehabt zu haben, um detailliert darüber zu sprechen, sofern man nur hört und liest, was andere Leser darüber sagen«. Von Anfang an waren die Lektüren indes uneins, wie das Buch überhaupt aufzufassen sei und welche Position es vertrete. Ungeachtet seiner näheren Einordnung in eine Geschichte der French Theory ist vor allem strittig geblieben, welche Stellung es zur Psychoanalyse und Psychiatrie bzw. Psychiatriekritik einnimmt. Manchen Lesarten, die dem Buch attestieren, es sei »faithful to Freud’s core insights«, stehen andere gegenüber, die es entweder als einen Rückfall hinter wesentliche Einsichten der Psychoanalyse ansehen oder aber als deren intransigente Kritik.
Das Buch »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« ist weit mehr als eines der erfolgreichsten Sachbücher der deutschen Nachkriegsgeschichte. Millionenfach verkauft, avancierte es binnen kürzester Zeit zur »Bibel der Turnschuhgeneration, die sich ›in die Leiden der heiligen Christiane‹ (Herbert Riehl-Heyse) so inbrünstig versenkt wie eine andere Generation einst in die des jungen Werther«. Die »heilige Christiane« war die 1962 in Hamburg geborene Christiane Vera Felscherinow, die mit schonungsloser Offenheit ihren Weg als minderjährige Schülerin in die Heroinsucht schilderte. Ihre Geschichte war dabei nicht nur die Beschreibung einer Flucht vor Langeweile, Frust, familiärer Gewalt, gesellschaftlicher Gleichgültigkeit und einer rastlosen Suche nach sozialer Anerkennung. Vielmehr löste sie zugleich eines der wohl größten Medienereignisse der 1970er- und 1980er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland aus. Denn das 1978 erschienene Buch generierte eine immense mediale, pädagogische und politische Aufmerksamkeit, die sich durch den Film von 1981 noch steigerte – abzulesen etwa an der Vielzahl deutscher und internationaler Rezensionen sowie der Kommentare, Leitfäden und Ratgeber für Eltern und Lehrer*innen zum pädagogisch verantwortungsvollen Umgang mit Christiane F.s Schilderungen.
Wassili Grossmans Roman »Stalingrad« ist ein besonderes literarisches und historisches Dokument. Dem deutschen Lesepublikum eröffnet das Werk erstmals in einer für die Entstehungszeit erstaunlichen Vielstimmigkeit, Drastik und Breite Zugang zu sowjetischen Erfahrungshorizonten und Sichtweisen auf Stalingrad. Als Kontrastfolie zum Kult um die Schlacht in Putins Russland und zur nationalpatriotischen Instrumentalisierung des »Großen Vaterländischen Krieges« für den Krieg gegen die Ukraine hat der Roman außerdem eine unmittelbare Aktualität. Und nicht zuletzt handelt es sich hier um ein literarisches Zeugnis der jüdischen Geschichte.
As cultural products, images are infused with notions of gender – notions, which are, of course, specific to the times and places in which these images originate. For gender historians, they are fascinating artefacts, but often also frustratingly difficult to interpret. This dossier presents the work of historians who look at gender through visual sources. The contributors engage with a wide variety of visual sources (including book illustrations, posters, photographs, and comics) to explore gender history in a range of places and moments in time. Our aim is to examine how historical actors have used images as they negotiate gender, and how we as historians can incorporate these images into our analyses of gender history. Not surprisingly we have discovered that working with images as historians is complicated – even more complicated than working with more conventional text-based sources – but that it is also fascinating and fun. So, we still want to do it!
My analysis of ambivalent representations of gender and sexuality in children’s book illustrations centers on publications for middle-class German readers between 1776 and 1845 – a somewhat overlooked yet foundational milieu of modern children’s literature. I have found that these images at times invoke hegemonic ideas about gender while at others deviate from those norms – occasionally even within the same text. Materials created explicitly for children and youth offer special insight into ideologies such as those that structure gender and sexuality. This is true both because they can be more heavy-handed in their ideological messages – with a mind toward what is appropriate for the child viewer – but also because they remind us of the limits of didacticism when we consider the young reader’s/viewer’s unpredictable response. Thus, ambiguity is itself a characteristic of the gendered values presented in children’s books. At various historical moments, children’s illustrations upheld expectations of adult visual culture while breaking or sidestepping others.
In this text, Katja Stopka argues for closer cooperation between historical and literary studies, both of which are text-based disciplines that work in ways oriented towards source materials and yet remain critical of the textual foundations on which they stand. History and literary researchers take writing and reading as their subject of inquiry; they collect and organize archives of written records, use these archives as repositories of knowledge, and in turn draw on these holdings, for example in critical examinations of cultural patterns of reflection, or historical perceptions in need of correction.
Eine aufschlussreiche Debatte um die Frage nach der Beeinträchtigung der deutschen Sprache durch die NS-Zeit fand 1963 in Walter Höllerers zwei Jahre zuvor gegründeter Zeitschrift »Sprache im technischen Zeitalter« statt. Hier wurden drei Beiträge aus dem englischsprachigen Ausland dokumentiert, von denen George Steiners Essay »Das hohle Wunder« besonders heftige Antworten provozierte. Unser Aufsatz rekapituliert Steiners sprachkritische Intervention im Rahmen des damaligen literarischen Resonanzraums und untersucht zunächst Auffälligkeiten der unautorisierten ersten Übersetzung von Steiners Text. Im Zentrum steht dann die Kritik der um Repliken gebetenen Autorinnen und Autoren, unter denen mit Hilde Spiel, Marcel Reich-Ranicki, François Bondy und Hans Weigel mehrere jüdische Persönlichkeiten waren. Wir diskutieren, warum diese dem Befund Steiners widersprachen und ihr Vertrauen in die deutsche Sprache bekundeten. Der Aufsatz schließt mit Wolfgang Hildesheimer, dessen Blick auf das Deutsche als Tätersprache durch seine Arbeit als Übersetzer bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen geprägt war.
Anlässlich des 80. Geburtstages von Franz Kafka hatte vom 27. bis 29. Mai 1963 im barocken Schloss von Liblice die inzwischen legendäre Kafka-Konferenz unter der Federführung von Eduard Goldstücker und seiner Prager Germanistenkollegen stattgefunden. Ein Jahr danach, im Sommer 1964 berichtete der Budapester Korrespondent der Associated Press über die kulturpolitische Situation in den osteuropäischen Ländern. Unter dem Titel „Wer wird sich schon vor Kafka fürchten?“ diagnostizierte der Autor ein „kulturpolitisches Tauwetter“, das insbesondere in Ungarn, der Tschechoslowakei und Polen zu spüren sei.
Als vor gut zehn Jahren meine Studie über „Das Schicksal der DDR-Verlage“ im Prozess der deutschen Vereinigung erschien, gab es große mediale Aufregung über die Resultate. Die Zahlen waren tatsächlich erschütternd: Von den ehemals 78 staatlich lizenzierten Verlagen der DDR existierte 2006 in eigenständiger Form nur noch ein Dutzend, was etwa 15% entsprach. Nach Wirtschaftskraft betrachtet, waren die ostdeutschen Verlage inzwischen fast vollständig zu vernachlässigen: Am Gesamtumsatz der deutschen Buchbranche von damals 10,7 Mrd. € waren Firmen aus den neuen Bundesländern (ohne Berlin) 2006 nur noch mit 0,9 % beteiligt.
Das Erschrecken war nicht nur deshalb so groß, weil selbst die meisten Branchenteilnehmer einen gefühlt anderen Eindruck hatten, sondern weil die Verlagsbranche damit noch unter dem Ergebnis anderer Wirtschaftsbereiche Ostdeutschlands lag, denn nach Treuhandangaben sind dort insgesamt rund 20% der Betriebe erhalten geblieben.
Schaut man sich die Situation heute an, hat sich die Lage keineswegs verbessert. Zwar haben einige Verlage ihren Sitz nach Berlin verlagert und sind ein paar neugegründete Kleinstverlage hinzugekommen, doch die Gesamtlage hat sich kaum verbessert. An der Gesamttitelproduktion sind die ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) nach wie vor nur mit insgesamt 5% beteiligt.
