Gender Studies
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»Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß […] beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen. Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel. Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit all ihren Kräften auf eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihrer Bestimmung zu leben war ihr alleiniger Wunsch. […] Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien ihr der rechte Ort, ungestört ihrer Passion zu leben. Ihre Passion war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer Trinkerin.«
»Aber eines sage ich nur Ihnen: es soll mir niemand mehr kommen und sagen, ein Schizophrener sei nicht einer schöpferischen Leistung fähig; bei Schröder ist wohl das ganz seltene Ereignis eingetreten, dass die Psychose einen durchschnittlichen Menschen zum schöpferischen Künstler erhoben hat.« Mit diesen begeisterten Worten berichtete der schweizerische Psychiater Alfred Bader (1919–2009) seinem österreichischen Kollegen und Freund Leo Navratil (1921–2006) von der Begegnung mit dem psychiatrieerfahrenen Künstler Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892–1982) in West-Berlin 1964. Bader war gemeinsam mit dem Schweizer Filmemacher Ernest (Nag) Ansorge (1925–2013) in die Mauerstadt gereist, um einen Film über den kontrovers beurteilten Autodidakten Schröder-Sonnenstern zu drehen.
In 1963, Anton D. and Marie M. were admitted to the Institute of Psychiatry in Brussels. The records produced during their stay document the conditions of their hospitalization and also reveal the many institutions they interacted with throughout their lives. While not all of these institutional connections left archival traces, some generated valuable records. By cross-referencing these sources – medical, administrative, police, and judicial – we can enhance their archival corpus and reconstruct their trajectories over time. Once gathered, these materials shed light on their individual paths and also provide insights into the long-term transformations of psychiatric care practices. With this article, I aim to demonstrate the potential of biographical reconstructions through the combination of such different materials, offering a closer understanding of the historical experience of psychiatric deinstitutionalization.
Der Beitrag untersucht für die Bundesrepublik, wie es dazu kam, dass sich der Ansatz von Frauenhäusern und Notrufen in den 1980er-Jahren von der Selbsthilfe zu feministischer Sozialarbeit verschob und dass schließlich auch therapeutische Methoden einbezogen wurden. Dieser Wandel war, so die hier vertretene These, nicht nur der Institutionalisierung und Professionalisierung der Frauenprojekte geschuldet. Ein wichtiger Faktor war auch die aufkommende feministische Auseinandersetzung mit Traumatisierung als psychischer Folge von Gewalt. Anhand von Bewegungszeitschriften und Archivquellen wird nachgezeichnet, wie die Aktivistinnen vor dem Hintergrund ihrer Kritik an ignoranten Hilfestrukturen (der Psychiatrie, Psychotherapie, Soziale Hilfen etc.) und ihrem Selbsthilfeanspruch nicht-psychiatrisierende Erklärungen von psychischen Beeinträchtigungen gewaltbetroffener Frauen sowie alternative Hilfsangebote entwickelten. Damit trugen sie zu Verschiebungen der verflochtenen Normen von psychischer Gesundheit und Geschlecht und zur allmählichen Transformation des psychowissenschaftlichen Feldes bei.
In diesem Beitrag wird rekonstruiert, wie die Community feministischer Therapeutinnen von den 1970er-Jahren bis in die späten 1990er-Jahre mit Konflikten, Ein- und Ausschlüssen umging. Hauptquellen der Untersuchung sind die Dokumentationen der jährlichen Frauentherapiekongresse, die für die Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen reichhaltiges Material liefern. Die Diskurse in diesem Forum wurden seit der Zeit der bundesdeutschen Psychiatrie-Enquête von 1975 geführt, allerdings abseits des psychiatrischen Feldes im engeren Sinne. Ausgangspunkt war die feministische Psychiatriekritik an der Pathologisierung von Frauen. Dass sich neue Therapieformen entwickeln konnten, ist auch als Folge der Öffnung des psychiatrischen Feldes zu interpretieren: Für Frauen wurde es möglich, sich als Betroffene von sexistischer Diskriminierung zu begreifen und selbst aktiv zu werden. Die Entwicklung verlief jedoch keineswegs linear und war auch mit Verletzungen verbunden. Die Anerkennung lesbischer und/oder jüdischer Frauen, von Frauen mit Migrationsgeschichte und/oder Behinderung – also die Sensibilität für Mehrfachdiskriminierung – war im Kontext der Frauentherapiekongresse lange nicht selbstverständlich.
Die Geschichte der Psychiatrie ist nicht nur eine Geschichte der Differenz von »gesund« und »krank«, sondern auch von »normal« und »verrückt«. Das letztere Begriffspaar prägt seit der Aufklärung den Umgang mit psychischer Alterität. Mit ihm wurde in verschiedenen Kontexten eine nicht nur für die Psychiatrie konstitutive Wahrnehmung einer sozialen Devianz gefasst. Seit dem frühen 19. Jahrhundert dienten die Begriffe den bürgerlichen Gesellschaften europäischer Prägung zur Gegenüberstellung einer – westlichen, modernen, zivilisierten, männlichen etc. – »normalen« Vernunft auf der einen Seite und einer als »verrückt« (im Sinne von nicht gesellschaftskonform) ausgegrenzten, psychiatrisierten Unvernunft auf der anderen.
Die 1950er-Jahre werden oft als eine Zeit gesellschaftlicher »Restauration« betrachtet, in der Sexualität massiv unterdrückt worden sei. Als ein Beleg dafür wird die fortgesetzte polizeiliche und gerichtliche Verfolgung Homosexueller genannt, für die das »Dritte Reich« erst mit der Strafrechtsreform von 1969 ein Ende gefunden habe. Weniger Beachtung findet, dass sich viele Mediziner und Juristen schon in den frühen 1950er-Jahren für eine Reform des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches starkmachten, der homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnis bedrohte. Welche Auswirkungen die Reformdebatte auf die Praxis der Strafverfolgung hatte, wird in diesem Aufsatz anhand von 1.526 Urteilen untersucht, die Frankfurter Gerichte in den Jahren 1946 bis 1965 fällten. Dabei zeigt sich, dass die Gerichte die »einfache« Homosexualität unter Erwachsenen tendenziell immer milder beurteilten, während die »schweren« Fälle sogenannter »Jugendverführung« weiterhin streng verfolgt wurden. Dies spricht dafür, die 1950er- und 1960er-Jahre nicht nur als eine Zeit neuerlicher Repression zu betrachten, sondern auch als eine Phase des Umbruchs und der allmählichen Liberalisierung.
As cultural products, images are infused with notions of gender – notions, which are, of course, specific to the times and places in which these images originate. For gender historians, they are fascinating artefacts, but often also frustratingly difficult to interpret. This dossier presents the work of historians who look at gender through visual sources. The contributors engage with a wide variety of visual sources (including book illustrations, posters, photographs, and comics) to explore gender history in a range of places and moments in time. Our aim is to examine how historical actors have used images as they negotiate gender, and how we as historians can incorporate these images into our analyses of gender history. Not surprisingly we have discovered that working with images as historians is complicated – even more complicated than working with more conventional text-based sources – but that it is also fascinating and fun. So, we still want to do it!
For this article, I would like to present the process of my becoming aware of the work of Charlotte Paige Carroll, an African American woman photographer active in Chicago during the 1920s-1940s. This period, notably marked by the Harlem Renaissance – a flourishing of African American art and culture – fostered a modern Black subjectivity known as the “New Negro”. More of an international movement of Black consciousness than a phenomenon that was limited to a particular geography, the Harlem Renaissance promoted a period of cultural growth, economic investment and political agency. It is within this context that Carroll, with her partner J.C. Schlink, owned and operated Electric Studio. Electric Studio’s photographs were published in nationally circulating newspapers and magazines, and aspects of Carroll’s life were chronicled in the Black media of the day, yet despite the significant contributions of Carroll or Electric Studio their extensive efforts do not appear in the chronicle of photography’s history. For numerous reasons this absence is a history in and of itself that necessitates careful consideration in both methodology and approach.
In this essay, I explore the visual representation of that backwardness. For revolutionaries of all stripes, a core value in the revolution was overcoming Russia’s backwardness. In Russian it literally meant “lagging behind” [otstalost], but it had a wide compass to include illiteracy, superstition, drunkenness, syphilis, lack of culture, and lack of political engagement. I ask how early Soviet artists conveyed this backwardness – especially as synonymous not only with ignorance, but also with “darkness” and a lack of revolutionary consciousness. How did they compose posters for the masses in those early years of Soviet power, especially during the extensive civil and national wars of 1917-1921? How and why was gender such an important part of that visual imagery?
