Queer History
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»Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß […] beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen. Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel. Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit all ihren Kräften auf eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihrer Bestimmung zu leben war ihr alleiniger Wunsch. […] Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien ihr der rechte Ort, ungestört ihrer Passion zu leben. Ihre Passion war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer Trinkerin.«
In diesem Beitrag wird rekonstruiert, wie die Community feministischer Therapeutinnen von den 1970er-Jahren bis in die späten 1990er-Jahre mit Konflikten, Ein- und Ausschlüssen umging. Hauptquellen der Untersuchung sind die Dokumentationen der jährlichen Frauentherapiekongresse, die für die Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen reichhaltiges Material liefern. Die Diskurse in diesem Forum wurden seit der Zeit der bundesdeutschen Psychiatrie-Enquête von 1975 geführt, allerdings abseits des psychiatrischen Feldes im engeren Sinne. Ausgangspunkt war die feministische Psychiatriekritik an der Pathologisierung von Frauen. Dass sich neue Therapieformen entwickeln konnten, ist auch als Folge der Öffnung des psychiatrischen Feldes zu interpretieren: Für Frauen wurde es möglich, sich als Betroffene von sexistischer Diskriminierung zu begreifen und selbst aktiv zu werden. Die Entwicklung verlief jedoch keineswegs linear und war auch mit Verletzungen verbunden. Die Anerkennung lesbischer und/oder jüdischer Frauen, von Frauen mit Migrationsgeschichte und/oder Behinderung – also die Sensibilität für Mehrfachdiskriminierung – war im Kontext der Frauentherapiekongresse lange nicht selbstverständlich.
In their project, Picture Me, the authors engage with a burgeoning interest in queer Finnish history and with scholarship from the German tradition of visual history to consolidate a new research field called queer visual history. Each researcher in the project is working with a particular archival record, or records, associated with Finnish historical figures that are alleged to have lived queer lives. The shared concern is, to test what visual methods can do to enhance our historical analyses and, and to embrace the richness of the photographic archive for the ways in which it has been able to capture not just individuals’ stories, but the spaces in which they lived, the people who accompanied them, and even the perspectives with which they viewed their own lives.
Die 1950er-Jahre werden oft als eine Zeit gesellschaftlicher »Restauration« betrachtet, in der Sexualität massiv unterdrückt worden sei. Als ein Beleg dafür wird die fortgesetzte polizeiliche und gerichtliche Verfolgung Homosexueller genannt, für die das »Dritte Reich« erst mit der Strafrechtsreform von 1969 ein Ende gefunden habe. Weniger Beachtung findet, dass sich viele Mediziner und Juristen schon in den frühen 1950er-Jahren für eine Reform des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches starkmachten, der homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnis bedrohte. Welche Auswirkungen die Reformdebatte auf die Praxis der Strafverfolgung hatte, wird in diesem Aufsatz anhand von 1.526 Urteilen untersucht, die Frankfurter Gerichte in den Jahren 1946 bis 1965 fällten. Dabei zeigt sich, dass die Gerichte die »einfache« Homosexualität unter Erwachsenen tendenziell immer milder beurteilten, während die »schweren« Fälle sogenannter »Jugendverführung« weiterhin streng verfolgt wurden. Dies spricht dafür, die 1950er- und 1960er-Jahre nicht nur als eine Zeit neuerlicher Repression zu betrachten, sondern auch als eine Phase des Umbruchs und der allmählichen Liberalisierung.
Im Rahmen unseres Praxisprojekts im Masterstudiengang Public History haben wir uns intensiv mit der Sammlung Peter Plewka auseinandergesetzt und auf Basis der über 5500 digitalisierten Ansichtskarten aus Berlin-Kreuzberg vor 1945 eine digitale Ausstellung kuratiert. Peter Plewka widmete sein Leben der Sammlung von Objekten rund um Kreuzberg – von Postkarten und Fotografien bis hin zu Büchern und Bierdeckeln. Nach seinem Tod im Jahr 2022 gingen Teile seines Nachlasses an das FHXB Museum. Im Folgenden möchten wir einen Einblick geben, wie wir die historische Quelle „Ansichtskarte“ für eine solche Ausstellung erschlossen und nutzbar gemacht haben.
Dieser Aufsatz historisiert die identitätspolitischen Konflikte in den USA. Ausgehend von den 1970er-Jahren untersuchen wir die Bedeutung von behaupteten oder tatsächlichen Unterdrückungserfahrungen für reaktionär-hegemoniale und emanzipatorische Identitätspolitiken. Dabei widmen wir uns dem Sex als zentraler identitätsstiftender Kategorie und als Feld politischer Auseinandersetzungen. Diese Konflikte verfolgen wir anhand zweier Beispiele und ihrer Interaktion. Als Vertreterinnen der neuen christlichen Rechten propagierten Beverly LaHaye und die ›Concerned Women for America‹ (CWA) eine religiös-konservative Vorstellung von Sex. Sie bedienten sich dabei einer Unterdrückungserzählung, um ihre gesellschaftlich privilegierte Position durch hegemonial-reaktionäre Identitätspolitik zu festigen. Die Aktivist:innen der ›AIDS Coalition to Unleash Power‹ (ACT UP) kämpften im Kontext der Aids-Krise der 1980er-Jahre gegen Diskriminierung und für gesellschaftliche Teilhabe queerer Menschen. Ihr identitätspolitischer Aktivismus sollte Unterdrückungserfahrungen überwinden sowie die Anerkennung als gleichwertige Menschen erwirken.
