„Hier geht es um den Kern unseres Selbstverständnisses als Nation“. Helmut Kohl und die Genese des Holocaust-Gedenkens als bundesdeutscher Staatsräson

  • Die geschichtspolitischen Aktivitäten des Bundeskanzlers Helmut Kohl riefen während seiner Amtszeit vielfach Spott und bei späteren Rückblicken ebenfalls deutliche Kritik hervor. Der „Spiegel“ bezeichnete Kohl im April 1985, anlässlich der Affäre um den Besuch des Soldatenfriedhofs in Bitburg, als „Tolpatsch in höchst sensitivem Gelände“ und beklagte seine „Sucht nach immer neuen Versöhnungsritualen“. Vor dem Hintergrund des Historikerstreits von 1986/87 wurde vielfach gewarnt vor „Entsorgungsversuche[n] zur deutschen Geschichte“ bzw. dem „Versuch, Vergangenheit zu verbiegen“. Diese zeitgenössische Sicht beeinflusste – gewiss nicht ohne Grund – auch wissenschaftliche Analysen. Sabine Moller nannte in ihrer politikwissenschaftlichen Diplomarbeit von 1998 die „Entdifferenzierung von geschichtlichen Ereignissen“ als ein Charakteristikum der Ära Kohl, und selbst der dem Kanzler gegenüber weniger kritisch eingestellte Rupert Seuthe schrieb Kohl in seiner Dissertation von 2001 ein „von Differenzierungsgeboten offensichtlich unbeeinträchtigtes Geschichtsverständnis“ zu.

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Metadaten
Author:Jan-Holger Kirsch
DOI:https://doi.org/10.14765/zzf.dok.1.1089
Parent Title (German):Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien
Document Type:Journal Article
Language:German
Date of Publication (online):2017/11/21
Date of first Publication:2008/01/01
Release Date:2017/11/22
Volume Number:2008
Issue:43/44
First Page:40
Last Page:48
ZZF Topic-Classification:Holocaust
Geschichtspolitik
Vergangenheitspolitik
ZZF Regional-Classification:Europa / Westeuropa / Deutschland / Bundesrepublik
ZZF Chronological-Classification:1980er
1990er
Licence (German):License LogoZZF - Clio Lizenz