Berlin

  • »Der Riß, welcher durch alle unsere gesellschaftlichen Verhältnisse geht«, war in Berlin - so konstatierten kritische Zeitgenossen wie der Frühsozialist Ernst Dronke bereits zu Beginn der vierziger Jahre - viel tiefer, die soziale Polarisierung in der preußischen Hauptstadt weit stärker fortgeschritten als in allen anderen deutschen Städten, von Wien vielleicht abgesehen. Berlin war eine »zweifelhafte Schöne«, eine »Braut der Zukunft«, spöttelte ein anderer demokratischer Zeitgenosse, der Schriftsteller Heinrich Bettziech (der unter seinem Pseudonym >Beta< im Revolutionsjahr als Satiriker zu einigem Ruhm gelangen sollte) gleichfalls um 1845: »Ihr Kostüm ist schäbig-gentil, hier und da äußerst kostbar und glänzend, aber wenn sie den Fuß hebt, kann man die zerrissenen Sohlen bemerken, und der feine Strumpf könnte auch besser gestopft seyn.« Berlin, so Bettziech weiter, oszilliere zwischen zwei Polen, nämlich dem »der Vornehmheit und des Staatsglanzes um das Brandenburger und das Potsdamer Thor herum« und seinem Gegenstück: »Nach den vielen entgegengesetzten Thoren hin breitet sich der viel umfangreichere Pol des Proletariats, des Verbrechens und der Armuth aus, durchspickt von Industrie und Dampffabrikation.«

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Metadaten
Author:Rüdiger HachtmannGND
DOI:https://doi.org/10.14765/zzf.dok.1.885
Parent Title (German):1848. Revolution in Deutschland
Publisher:Insel
Place of publication:Frankfurt am Main
Editor:Christof Dipper, Ulrich Speck
Document Type:Part of a Book
Language:German
Date of Publication (online):2017/05/24
Date of first Publication:1998/01/01
Publishing Institution:Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V.
Release Date:2017/05/24
First Page:82
Last Page:98
ZZF Regional-Classification:Europa / Westeuropa / Deutschland
ZZF Topic-Classification:Gesellschaftsgeschichte
Politik
Städte
ZZF Chronological-Classification:vor 1900
Licence (German):License LogoZZF - Clio Lizenz