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Zum industriellen Konflikt in der Tschechoslowakei 1945-1968

  • Die Regularien der Austragung von Arbeitskämpfen, die in der tschechoslowakischen Republik zwischen 1918 und 1938 institutionalisiert und kodifiziert wurden, sind bereits vor der kommunistischen Machtübernahme (Februar 1948) so weit ausgehöhlt worden, daß die Errichtung des Machtmonopols der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPTsch) unter diesem Gesichtspunkt nicht als qualitative Zäsur betrachtet werden kann. Ausschlaggebend für die Erosion der rechtlichen, organisatorischen und politisch-sozialen Grundlagen von Arbeitskämpfen war das machtpolitische Konfliktszenarium der formal demokratisch verfaßten Nachkriegsrepublik (1945-1948), d. h. die oft dargestellten Auseinandersetzungen zwischen der KPTsch und den anderen Parteien der Nationalen Front, in deren Verlauf die legitime Verfolgung von Gruppeninteressen und das freie Ausschwingen sozialer Konflikte in beiden politischen Lagern rigoros parteipolitischem Kalkül untergeordnet wurden. Unser Thema ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Die Parteien rechts von Kommunisten und Sozialdemokraten forderten einen restriktiven Umgang mit Arbeitskämpfen, um dem sozialen Radikalismus und der politischen Mobilisierung der Industriearbeiterschaft, die in der Masse zur Klientel der KPTsch gehörte, das Wasser abgraben zu können. Auf der Gegenseite akzeptierte und unterstützte das linke Machtkartell, das die kommunistische Partei und die im Mai 1945 als Einheitsgewerkschaft gegründete Revolutionäre Gewerkschaftsbewegung (ROH) bildeten, industrielle Konflikte nur insoweit, als diese mit seinen klassenpolitischen Zielsetzungen und dem - wenn auch zunächst vage formulierten - volksdemokratischen Konzept vereinbar erschienen. Das verdeutlichen in erster Linie die von den beiden Organisationen teils selbst organisierten, teils nachträglich in Regie genommenen politischen Streiks für die Verstaatlichung von Industriebetrieben oder gegen die Restitution industrieller Konfiskatę in privates Eigentum.

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Metadaten
Author:Peter Heumos
DOI:https://doi.org/10.14765/zzf.dok.1.982
Parent Title (German):Arbeiter im Staatssozialismus. Ideologischer Anspruch und soziale Wirklichkeit
Publisher:Böhlau
Place of publication:Köln
Editor:Peter Hübner, Christoph Kleßmann, Klaus Tenfelde
Document Type:Part of a Book
Language:German
Date of Publication (online):2017/06/22
Date of first Publication:2005/01/01
Publishing Institution:Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) - Leibniz Centre for Contemporary History Potsdam (ZZF)
Release Date:2017/09/14
First Page:473
Last Page:497
ZZF Chronological-Classification:1940er
1950er
1960er
ZZF Topic-Classification:Wirtschaft
Staatssozialismus
ZZF Regional-Classification:Europa / Mittel-/Osteuropa
Schriftenreihen des Zentrums für Zeithistorische Forschung:Zeithistorische Studien / Arbeiter im Staatssozialismus. Ideologischer Anspruch und soziale Wirklichkeit (Band 31)
Licence (German):License LogoZZF - Clio Lizenz