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Jahresbericht 2025 (2026)
Der Jahresbericht des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) für 2025 ist erschienen. Unser Jahresbericht berichtet auf gut 160 Seiten über die vielfältigen Aktivitäten des ZZF im Vergangenen Jahr: über die Forschungsprojekte und Forschungsergebnisse des Instituts, über die Angebote unserer Online-Portale, unserer Infrastrukturabteilungen und die Aktivitäten im Bereich des Wissenstransfers. Lesen Sie u.a.: - wie wir im Schwerpunkt »Nachgeschichte des Nationalsozialismus« forschen. So ging das Verbundprojekt »Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000« in seine zweite Förderphase und setzt den Akzent nunmehr vor allem auf die Geschichte der Rechten in Ostdeutschland, - wie wir in der Forschung unsere internationalen Perspektiven weiter ausbauen. Es sind zahlreiche Studien zur osteuropäischen Geschichte entstanden, aber auch zur deutschen Geschichte in ihren globalen Bezügen, - wie wir mit dem Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“ dazu beitragen, aus früheren Krisen und Umbrüchen für Gegenwart und Zukunft zu lernen. So starteten die „Moving-Labs“, die als interaktive Veranstaltungen auch in kleineren Städten mit Bürger*innen in den Austausch treten. Erfahren Sie mehr über die Highlights des vergangenen Jahres, u.a. über die Ausstellung »Das Weite suchen«, die Fotografien der späten DDR und der frühen 1990er zeigt, über Publikationen, Veranstaltungen und vieles mehr.
»Trinkend leben«? Ulrike Ottingers Spielfilm »Bildnis einer Trinkerin« (1979) (2026)
Balz, Viola
»Sie, eine Frau von hoher Schönheit, von antiker Würde und raphaelischem Ebenmaß […] beschloß an einem sonnigen Wintertag La Rotonda zu verlassen. Sie löste ein Ticket aller jamais retour Berlin Tegel. Sie wollte ihre Vergangenheit vergessen, vielmehr verlassen, wie ein abbruchreifes Haus. Sie wollte sich mit all ihren Kräften auf eine Sache konzentrieren, ihre Sache; endlich ihrer Bestimmung zu leben war ihr alleiniger Wunsch. […] Berlin, eine Stadt, in der sie völlig fremd war, schien ihr der rechte Ort, ungestört ihrer Passion zu leben. Ihre Passion war zu trinken, leben um zu trinken, trinkend leben, das Leben einer Trinkerin.«
Wertschätzung und Pathologisierung. »Friedrich, der Mondgeistermaler« (1964): Ein Film über den Künstler Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892–1982) (2026)
Beyer, Christof ; Gümpel, Caterina Flor
»Aber eines sage ich nur Ihnen: es soll mir niemand mehr kommen und sagen, ein Schizophrener sei nicht einer schöpferischen Leistung fähig; bei Schröder ist wohl das ganz seltene Ereignis eingetreten, dass die Psychose einen durchschnittlichen Menschen zum schöpferischen Künstler erhoben hat.« Mit diesen begeisterten Worten berichtete der schweizerische Psychiater Alfred Bader (1919–2009) seinem österreichischen Kollegen und Freund Leo Navratil (1921–2006) von der Begegnung mit dem psychiatrieerfahrenen Künstler Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892–1982) in West-Berlin 1964. Bader war gemeinsam mit dem Schweizer Filmemacher Ernest (Nag) Ansorge (1925–2013) in die Mauerstadt gereist, um einen Film über den kontrovers beurteilten Autodidakten Schröder-Sonnenstern zu drehen.
Irren ist menschlich – immer noch! Relektüre eines psychiatriekritischen Lehrbuches von 1978 (2026)
Binder, Beate
»Irren ist menschlich«: Unter diesem Titel erschien 1978 erstmals ein »Lehrbuch der Psychiatrie/Psychotherapie«, das allen gewidmet war, »die sich in der Ausbildung befinden«, »die in der Psychiatrie arbeiten« und »die sich betroffen fühlen«. Adressiert wurde somit ein deutlich über das Fachpublikum hinausreichender Leser:innen­kreis, den die Autor:innen Klaus Dörner und Ursula Plog in der einführenden »Gebrauchsanweisung« (S. 9-16) weiter ausbuchstabierten: Das Buch solle nicht nur durch ein anstehendes Examen helfen und dem »psychiatrisch tätigen Leser« ein »nachdenklicheres«, »freudvolleres« Arbeiten ermöglichen, sondern »auch für Laien, Angehörige und Patienten« lesbar sein (S. 9). Grundsätzlich solle es »den Leser privat befähigen, mit sich und seinem Leben besser umzugehen« (ebd.). Durch diesen Anspruch überschreitet das Lehrbuch die Grenze zwischen psychiatrischem Fachbuch und allgemeiner Ratgeberliteratur. Es reiht sich so nicht nur in Publikationen ein, die die Neuorganisation des bundesdeutschen psychiatrischen Versorgungssystems diskutierten, sondern auch in den allgemeinen »Psychoboom« der 1970er-Jahre.
Spaltung ohne Seele. »Anti-Ödipus« (1972) und das Subjekt im Kapitalismus (2026)
Schäfer, Armin
»Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie« von Gilles Deleuze und Félix Guattari fällt in einer Klassifikation, die der französische Literaturwissenschaftler Pierre Bayard aufgestellt hat, unter die »Bücher, die man vom Hörensagen kennt«: Es »ist nicht nötig«, sie »in der Hand gehabt zu haben, um detailliert darüber zu sprechen, sofern man nur hört und liest, was andere Leser darüber sagen«. Von Anfang an waren die Lektüren indes uneins, wie das Buch überhaupt aufzufassen sei und welche Position es vertrete. Ungeachtet seiner näheren Einordnung in eine Geschichte der French Theory ist vor allem strittig geblieben, welche Stellung es zur Psychoanalyse und Psychiatrie bzw. Psychiatriekritik einnimmt. Manchen Lesarten, die dem Buch attestieren, es sei »faithful to Freud’s core insights«, stehen andere gegenüber, die es entweder als einen Rückfall hinter wesentliche Einsichten der Psychoanalyse ansehen oder aber als deren intransigente Kritik.
»Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«. Ein Medienereignis als Quellenensemble: Zwischen jugendlichem Drogenelend, popkulturellem Mythos und offenen Fragen (2026)
Falk, Oliver
Das Buch »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« ist weit mehr als eines der erfolgreichsten Sachbücher der deutschen Nachkriegsgeschichte. Millionenfach verkauft, avancierte es binnen kürzester Zeit zur »Bibel der Turnschuhgeneration, die sich ›in die Leiden der heiligen Christiane‹ (Herbert Riehl-Heyse) so inbrünstig versenkt wie eine andere Generation einst in die des jungen Werther«. Die »heilige Christiane« war die 1962 in Hamburg geborene Christiane Vera Felscherinow, die mit schonungsloser Offenheit ihren Weg als minderjährige Schülerin in die Heroinsucht schilderte. Ihre Geschichte war dabei nicht nur die Beschreibung einer Flucht vor Langeweile, Frust, familiärer Gewalt, gesellschaftlicher Gleichgültigkeit und einer rastlosen Suche nach sozialer Anerkennung. Vielmehr löste sie zugleich eines der wohl größten Medienereignisse der 1970er- und 1980er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland aus. Denn das 1978 erschienene Buch generierte eine immense mediale, pädagogische und politische Aufmerksamkeit, die sich durch den Film von 1981 noch steigerte – abzulesen etwa an der Vielzahl deutscher und internationaler Rezensionen sowie der Kommentare, Leit­fäden und Ratgeber für Eltern und Lehrer*in­nen zum pädagogisch verantwortungsvollen Umgang mit Christiane F.s Schilderungen.
Beyond the Walls. Cross-Referencing Psychiatric Records, Reconstructing Biographies: Case Studies from Belgium (2026)
Dal Zilio, Samuel
In 1963, Anton D. and Marie M. were admitted to the Institute of Psychiatry in Brussels. The records produced during their stay document the conditions of their hospitalization and also reveal the many institutions they interacted with throughout their lives. While not all of these institutional connections left archival traces, some generated valuable records. By cross-referencing these sources – medical, administrative, police, and judicial – we can enhance their archival corpus and reconstruct their trajectories over time. Once gathered, these materials shed light on their individual paths and also provide insights into the long-term transformations of psychiatric care practices. With this article, I aim to demonstrate the potential of biographical reconstructions through the combination of such different materials, offering a closer understanding of the historical experience of psychiatric deinstitutionalization.
True Crime und die Erklärung des Bösen. Forensische Psychiatrie zwischen Information und Entertainment (2026)
Hinz, Uta ; Marazia, Chantal ; Fangerau, Heiner
True Crime – die Darstellung »wahrer Verbrechen« – gilt in seinen analogen, digitalen und interaktiven Formaten längst als Teil der (westlichen) Populärkultur und als »big business«. An Untersuchungen des Phänomens, das zuerst Buchmarkt und TV-Kanäle eroberte und aktuell das Netz flutet, mangelt es nicht. Eine expandierende medien-, literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung fragt, wie die mediale Omnipräsenz brutaler Mörder und Serienkiller sowie die von ihnen ausgehende Faszination für das Publikum einzuordnen sind. Der Blick richtet sich dabei stark auf die USA und auf die Gegenwart. Exemplarisch steht hier Mark Seltzers Zeitdiagnose, die True Crime als Phänomen einer neuartigen »wound culture«, als populären Ausdruck einer »pathologischen Öffentlichkeit« sieht. Über »Fremd-Intimität« und »Stellvertreter-Gewalt« werde eine neue Form technisiert vermittelter Gemeinschaft hergestellt, in der sich die Trennung zwischen privat und öffentlich auflöse.
Zwischen Selbsthilfe und feministischer Sozialarbeit. Der Umgang der westdeutschen Frauenbewegung mit psychischen Gewaltfolgen in den 1980er-Jahren (2026)
Klöppel, Ulrike
Der Beitrag untersucht für die Bundesrepublik, wie es dazu kam, dass sich der Ansatz von Frauenhäusern und Notrufen in den 1980er-Jahren von der Selbsthilfe zu feministischer Sozialarbeit verschob und dass schließlich auch therapeutische Methoden einbezogen wurden. Dieser Wandel war, so die hier vertretene These, nicht nur der Institutionalisierung und Professionalisierung der Frauenprojekte geschuldet. Ein wichtiger Faktor war auch die aufkommende feministische Auseinandersetzung mit Traumatisierung als psychischer Folge von Gewalt. Anhand von Bewegungszeitschriften und Archivquellen wird nachgezeichnet, wie die Aktivistinnen vor dem Hintergrund ihrer Kritik an ignoranten Hilfestrukturen (der Psychiatrie, Psychotherapie, Soziale Hilfen etc.) und ihrem Selbsthilfeanspruch nicht-psychiatrisierende Erklärungen von psychischen Beeinträchtigungen gewaltbetroffener Frauen sowie alternative Hilfsangebote entwickelten. Damit trugen sie zu Verschiebungen der verflochtenen Normen von psychischer Gesundheit und Geschlecht und zur allmählichen Transformation des psychowissenschaftlichen Feldes bei.
»Arbeit an den Ausgrenzungsstrukturen«. Diskurse zu Mehrfachdiskriminierung und feministischer Therapie in Westdeutschland seit den 1970er-Jahren (2026)
Luckgei, Vera ; Nolte, Karen
In diesem Beitrag wird rekonstruiert, wie die Community feministischer Therapeutinnen von den 1970er-Jahren bis in die späten 1990er-Jahre mit Konflikten, Ein- und Ausschlüssen umging. Hauptquellen der Untersuchung sind die Dokumentationen der jährlichen Frauentherapiekongresse, die für die Geschichtsschreibung sozialer Bewegungen reichhaltiges Material liefern. Die Diskurse in diesem Forum wurden seit der Zeit der bundesdeutschen Psychiatrie-Enquête von 1975 geführt, allerdings abseits des psychiatrischen Feldes im engeren Sinne. Ausgangspunkt war die feministische Psychiatriekritik an der Pathologisierung von Frauen. Dass sich neue Therapieformen entwickeln konnten, ist auch als Folge der Öffnung des psychiatrischen Feldes zu interpretieren: Für Frauen wurde es möglich, sich als Betroffene von sexistischer Diskriminierung zu begreifen und selbst aktiv zu werden. Die Entwicklung verlief jedoch keineswegs linear und war auch mit Verletzungen verbunden. Die Anerkennung lesbischer und/oder jüdischer Frauen, von Frauen mit Migrationsgeschichte und/oder Behinderung – also die Sensibilität für Mehrfachdiskriminierung – war im Kontext der Frauentherapiekongresse lange nicht selbstverständlich.
Vom Psychoboom zum Psychomarkt. Medientechniken der Neo-Sannyas-Bewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren (2026)
Doetz, Susanne
Mit ihren auf Selbstentfaltung zielenden psycho-spirituellen Angeboten war die Neo-Sannyas-Bewegung um Bhagwan Shree Rajneesh alias Osho Teil des in den 1970er-Jahren aufkommenden »Psychobooms«. Gekennzeichnet durch eine Verwischung der Grenzen zwischen Therapie und transzendentaler Selbsterfahrung, lässt sich an dieser Bewegung die Erosion der Differenz von »normal« und »verrückt« exemplarisch darstellen. In dem Beitrag werden die enorme Medienproduktion der Sannyasins und ihre Funktionen untersucht. Die in Eigenregie hergestellten Zeitschriften, Bücher, Audio- und Videokassetten waren für den Zusammenhalt der Neo-Sannyas-Bewegung von entscheidender Bedeutung. Sie verbreiteten ein körperorientiertes spirituelles Psychowissen, das seinen Weg sogar auf die östliche Seite des »Eisernen Vorhangs« fand. Gleichzeitig erzeugten und festigten solche Medien die »Marke« Bhagwan auf einem boomenden, sich ausdifferenzierenden Psychomarkt. Als Quellen dienen die Medienprodukte sowie Archivalien und graue Literatur aus dem International Institute of Social History (Amsterdam), der Oregon Historical Society (Portland) und dem Stasi-Unterlagen-Archiv (Berlin), ergänzt um Interviews mit Zeitzeug:innen.
Die Überwachenden. Rezension: Philipp Springer, Die Hauptamtlichen. Fotografische Einblicke und biografische Skizzen aus den Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (2026)
Trivellato, Clara
Die Rezension von Francesca Trivellato bespricht das Buch „Die Hauptamtlichen“ von Philipp Springer, das anhand bislang wenig bekannter Fotografien und biografischer Skizzen Einblicke in den Alltag hauptamtlicher Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gibt.
Psychiatrie – transkulturell. Erich Wulff und Hubertus Tellenbach: Positionen zur Kulturabhängigkeit von Krankheitskonzepten in den 1970er-Jahren (2026)
Schmidt-Herzog, Lisa ; Borck, Cornelius
Transkulturelle Psychiatrie ist heute der Name für ein Spezialgebiet zur psychiatrischen Versorgung von Menschen mit Migrationserfahrungen, während in der Vergangenheit unter dieser Bezeichnung methodische Grundsatzprobleme verhandelt wurden. Denn die Frage, inwieweit Krankheiten kulturell geformt sind, stellt sich in der Psychiatrie mit besonderer Dringlichkeit. Für die psychiatrische Zeitgeschichte sind dabei vor allem die 1970er-Jahre aufschlussreich, als in der Bundesrepublik Deutschland sozialpsychiatrische Reformen einsetzten, während international um die Dekolonisierung gekämpft wurde und die Weltgesundheitsorganisation das homogenisierende Leitbild Global Mental Health prägte. Vorgestellt und verglichen werden hier die für die Transkulturelle Psychiatrie in der Bundesrepublik zentralen Positionen von Erich Wulff und Hubertus Tellenbach. Trotz gemeinsamer philosophisch-methodenkritischer Ausgangspunkte entwickelten sie höchst unterschiedliche Sichtweisen (historisch-materialistisch versus metaphysisch). Die damals verhandelte Spannung zwischen einem universalen Maßstab und kulturspezifischen Konzepten weist zugleich auf aktuelle postkoloniale Debatten zum Kulturrelativismus voraus.
Normal verrückt. Was ist und welche Ziele verfolgt eine psychiatrische Zeitgeschichte? (2026)
Fangerau, Heiner ; Hess, Volker ; Borck, Cornelius ; Nolte, Karen
Die Geschichte der Psychiatrie ist nicht nur eine Geschichte der Differenz von »gesund« und »krank«, sondern auch von »normal« und »verrückt«. Das letztere Begriffspaar prägt seit der Aufklärung den Umgang mit psychischer Alterität. Mit ihm wurde in verschiedenen Kontexten eine nicht nur für die Psychiatrie konstitutive Wahrnehmung einer sozialen Devianz gefasst. Seit dem frühen 19. Jahrhundert dienten die Begriffe den bürgerlichen Gesellschaften europäischer Prägung zur Gegenüberstellung einer – westlichen, modernen, zivilisierten, männlichen etc. – »normalen« Vernunft auf der einen Seite und einer als »verrückt« (im Sinne von nicht gesellschaftskonform) ausgegrenzten, psychiatrisierten Unvernunft auf der anderen.
Bilder des Rechts. Fotografische Darstellungen und Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit in der Weimarer Republik (1919 bis 1933) (2026)
Schraner, Nicole
Der Jurist, Fotograf und Journalist Erich Salomon fertigte 1928 heimlich Aufnahmen während eines Gerichtsprozesses an. Zwar waren Fotografien von Gerichtsverhandlungen bereits zuvor vereinzelt genehmigt und veröffentlicht worden, doch die Verbreitung von Salomons nicht autorisierten Aufnahmen, gilt als Ausgangspunkt der Gerichtsfotografie als eigenständiges Genre in der Weimarer Republik.
Autoturism Dacia: Zur fotografischen Ästhetisierung eines rumänischen Erinnerungsorts (2026)
Bent, Johannes
Der Artikel zeigt, wie der Dacia durch fotografische Projekte zu einem Symbol der rumänischen Erinnerungskultur wird. Die Bilder stellen das Auto sowohl als alltäglichen Gebrauchsgegenstand als auch als nostalgisches Relikt der sozialistischen Vergangenheit dar.
Familie. Leitbilder, Politiken und Praktiken in Deutschland (2026)
Neumaier, Christopher
Was unter einer Familie verstanden wird, hat sich über die Zeit hinweg gewandelt. Der Artikel stellt unterschiedliche Familienmodelle vor, vom „Haus“ über die „christlich-bürgerliche Kernfamilie“ bis hin zur „Regenbogenfamilie“ der Gegenwart, und bietet dabei einen Überblick über die historische und soziologische Familienforschung.
Monidła in 20th-Century Poland: Between Art, Commerce, and Social Aspiration (2026)
Kowalska, Alicja
The aim of this article is to examine monidła as a widespread yet poorly documented visual and vernacular form, characteristic of Polish everyday culture in the twentieth century. The text focuses on the conditions of their production, modes of distribution, and patterns of use within the domestic space.
Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich 1951-1971 (2026)
Müller-Zetzsche, Marie
Zeitschriften wie Nation Europa und Défense de l`Occident tradierten nach 1945 die alte rechtsradikale Ideologie. Rechtsradikale Ideologie verschwand nach 1945 nicht, sondern suchte sich neue Ausdrucksformen. In der Bundesrepublik und in Frankreich spielten dabei die rechtsradikalen Zeitschriften »Nation Europa« und »Défense de l'Occident« eine zentrale Rolle. Sie bewahrten faschistische und nationalsozialistische Denkmuster und arbeiteten an neuen Begriffen, »Rasse« wurde etwa zu »Kultur«. Sie entwarfen mit dem »europäischen Nationalismus« ein ideologisches Dach für unterschiedliche Strömungen. Marie Müller-Zetzsche rekonstruiert die intellektuelle Vorgeschichte der »Neuen Rechten« in der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Sie zeigt, wie ein Netzwerk von »politischen Schriftstellern« über Jahrzehnte hinweg ideologische Kontinuitäten schuf, Narrative bewahrte und Diskursräume öffnete, die für spätere rechte Bewegungen anschlussfähig wurden. Dabei steht nicht nur die inhaltliche Tradierung im Fokus, sondern auch die publizistische Strategie: Wiederholung, scheinbarer Pluralismus, Kampf um Begriffe, Übersetzung und nicht zuletzt transnationale Vernetzung.
Alle fotografieren? Amateur- und Alltagsfotografie als Ausstellungsprojekt (2026)
Kulbe, Nadine ; Näser, Torsten
Wie prägt alltägliches Fotografieren unsere Wahrnehmung und Erinnerung? Die beiden Autor:innen der Projekvorstellung Nadine Kulbe und Torsten Näser betonen die Bedeutung privater Fotos als historische Quellen. In der Ausstellung „Alle fotografieren?“ wird Fotografie als aktive kulturelle Praxis verstanden, nicht nur als Abbild der Realität.
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